Cyber-Kriminalität in Zeiten von KI auf dem Vormarsch.
Kriminelle Aktivitäten im Internet sind auf dem Vormarsch. Das hat auch mit dem immer stärkeren Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) zu tun. „Die KI ist ein Turbolader für Cyber-Kriminalität“, sagte auf der Vertreterversammlung der Volksbank Hellweg eG am 4. Juni 2026 Torsten Töllner, der für das Referat des Abends eingeladen worden war. Er ist Geschäftsführer und Gesellschafter der „Cyber Competence Center GmbH“ (CyCo), die insbesondere mittelständische Betriebe beim Schutz gegen Angriffe von außen in enger Kooperation mit der R+V-Versicherung unterstützt. Er schilderte den 300 in der Soester Stadthalle versammelten Vertretern und Gästen, wie man bei der richtigen Vorsorge die Gefahren minimieren und „nachts gut schlafen kann“. Wichtig sei, aufmerksam zu sein, Daten-Sparsamkeit zu betreiben und das Thema digitale Sicherheit als Privatmann aber vor allem als Unternehmer aktiv anzugehen.
Viele Menschen seien sich immer noch nicht der Risiken der Internet-Nutzung bewusst, sagte Torsten Töllner. Aus seiner Sicht habe das einfach mit der Natur des Menschen zu tun. „Unser Gehirn arbeitet in einer gewissen Art und Weise in der Vergangenheit - aber nicht in der Zukunft und wir bemerken das Risiko nicht, das wir uns einfangen.“ Beispiel Nutzung von WhatsApp: „Wer liest sich alles durch, wenn man sich in einer WhatsApp-Gruppe anmeldet? Ob da nicht doch eine Mikrofon-Funktion ist? Ob nicht doch Zugriff auf Fotos genommen wird? Wir nutzen Apps, ohne uns Gedanken zu machen, was die alles können.“ Seine Erkenntnis: „Viele Menschen sind sich der Risiken der Internet-Nutzung nicht bewusst. Wir haben eine Risiko-Betrachtungsverzerrungen.“
Dabei zeigte er sich überzeugt, dass man den Gefahren nicht hoffnungslos ausgeliefert ist. „Es gibt Dinge, die wir machen können. Wir haben Techniken, aber wir nutzen sie nicht. Wichtig ist, dass sie eine gesunde Skepsis haben, wenn sie sich im Internet bewegen.“ Sein Rat: „Nicht alles anklicken, was man anklicken kann.“
Petra Golz
- Vertriebsmanagement (Leitung)
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02921 / 393-260Allein die Festlegung, regelmäßige Veränderung und persönliche Bewahrung von Passwörtern müsse man ernster nehmen, als es viele tun. „Passwörter sind wie Unterhosen, sie sollten sie nicht teilen!“
Für Betriebe seien Backup-Strategien wichtig. Man müsse die Fälle eines Cyber-Angriffs durchspielen: regelmäßige Updates. Zwei-Faktor-Authentifizierung. Firewall- und WLAN-Sicherheit. „Fragen Sie sich: Was lasse ich zu? Wenn ich alles zulasse, vielleicht aus Bequemlichkeit, darf ich mich nicht wundern!“
Man dürfe sich nie in Sicherheit wiegen. Als Beispiel nannte er Virenschutzprogramme: „Sie investieren 30 Euro und erfahren, dass sie 99-prozentigen Schutz haben. Unser Gehirn betrachtet das als sehr hoch. Doch sie haben weltweit rund 390.000 Schadprogramme, vielleicht inzwischen schon mehr, weil die KI diesen Prozess wahnsinnig beschleunigt. 99 Prozent Schutz heißt: Ich habe 1 Prozent ungeschützt. 3900 Schadprogramme können erfolgreich sein gegen dieses Antiviren-Programm.“
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe eine Statistik vorgelegt, wonach sich der Schaden im vergangenen Jahr in Deutschland auf mehr als 200 Milliarden Euro belaufe. Torsten Töllner: „Das ist mehr als der Drogenhandel! Die Cyberkriminalität hat den Drogenhandel überholt.“
Torsten Töllner plädierte für Datensparsamkeit. Wer weniger preisgebe, setze sich weniger Gefahren aus. Er schilderte den konstruierten Fall einer Personalerin, deren E-Mail-Adresse im Internet zu finden ist. „Man muss sich ja bewerben können.“ Und vielleicht gebe es über sie und ihre Interessen Informationen bei Instagramm oder in Chatroom-Posts. „Ich schreibe dann eine perfekte Bewerbung, stelle mich super dar, mache einen Anhang dran und sage: Hier sind meine Bewerbungsunterlagen. Ich schicke alles los. Die Personalerin ist jetzt angefixt. Dann wird angeklickt auf den Anhang und zack hat sie sich etwas eingefangen, was sie nicht haben wollte.“
Für Hacker in Nordkorea sei es Alltag, Unternehmen per Internet anzugreifen. „Die gehen morgens mit der Aktentasche in ihr Hackerbüro - wie 200 andere auch - und da wird ihnen gesagt, dass sie das Potenzial haben, Millionen von Unternehmen zu hacken und Geld zu erpressen. Die Einnahmen lägen im Milliardenbereich. Hochbetrieb mit Angriffen herrsche zu Weihnachten, weil dann in den Unternehmen die zuständigen IT-Mitarbeiter über mehrere Tage nicht vor Ort wären. Auch sein Unternehmen spüre das und habe in diesen Tagen gut zu tun.
Er kenne Unternehmen, die wegen der Verschlüsselung von Daten per Ransomware mit anschließender Erpressung von Lösegeld Insolvenz anmelden mussten und bezifferte die durchschnittlichen Schäden auf 95.000 Euro. „Das muss finanziell erst mal verkraftet werden.“ Deswegen sein Appell: „Sie müssen sich bewusst machen, was ihre IT-Prinzipien sind. Welche Maßnahmen ergreifen sie in Krisensituationen? Viele wissen in solchen Situationen nicht ein noch aus, wenn sie plötzlich auf dem Bildschirm sehen: Bitte überweisen Sie 100.000 Euro in Bitcoins.“
Man dürfe nicht blauäugig sein oder die Gefahren ignorieren. Torsten Töllner formulierte die für Selbständige und Unternehmer wichtigen Fragen: Gibt es einen Notfallplan? Haben Sie ihn auf der IT-Plattform oder auf dem Server und wird er dann vielleicht mitverschlüsselt? Wer ist ihr zentraler Dienstleister? Meistens sei dieser aber für die Bekämpfung der Angreifer im Notfall gar nicht zuständig, weil dies in den AGBs ausgeschlossen sei.
Ausweichen könne man dem Thema nicht. Ob privat oder im Betrieb: „Wir werden alle immer mehr in die digitale Welt hineingezogen“. Die Steuererklärung sei online zu machen, Meldungen an Krankenkassen und Behörden. Man erhalte E-Rechnungen und vieles mehr. „Wenn ich digitalisiere, habe ich die Cyberkriminalität gleich mit an Bord“.
Auch sei es schwieriger geworden, Fälschungen zu beurteilen. Betrügerische Phishing-Mails habe man früher oft an Schreibfehlern erkannt. So etwas gebe es heute nicht mehr. „Gefakte Seiten werden immer perfekter.“ Das gelte auch für Webshops. Diese Erfahrung habe er selbst gemacht. „Man muss heute sehr genau hinschauen.“
Und immer wieder sein Appell zur Datensparsamkeit. „Sie glauben ja gar nicht, was Sie bei Instagram alles finden. „Heute braucht man nur 3 bis 5 Sekunden einer Stimme, um diese genau nachzumachen. Sie können Fotos und Videos von Menschen darstellen von etwas, das gar nicht ist!“ Das hatte in seinem Vortrag zu Beginn der Vertreterversammlung auch Vorstandsvorsitzender Bernd Wesselbaum auf der Videowand demonstriert, als seine eigene Stimme – digital generiert – einen Text zur Bedeutung des Genossenschaftsgedankens sprach, der gar nicht von ihm stammte. Nur bei genauem Hinhören konnte man den Unterschied erkennen. Die Betrugsversuche gegen Senioren, die durch nachgemachte Stimmen ihrer Angehörigen zu Zahlungen emotionell gedrängt werden, müssen vor diesem Hintergrund gesehen werden. Die Volksbank Hellweg ist aktiv in der Prävention mit Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Informationen an Seniorinnen und Senioren sowie deren Angehörige.
Mit seinem Sicherheitsunternehmen CyCo ist Torsten Töllner aktuell mit einer Art „Roadshow“ im Land unterwegs, um Aufklärungsarbeit zu betreiben. Zu Beginn seiner Karriere sei er für die Sicherheit im Chatroom des US-Unternehmens AOL zuständig gewesen. Dabei habe er viel Unglaubliches erlebt. Durch seine Expertise verbindet er technische Sicherheit mit Konzepten und Produkten der R+V-Versicherung. Er tritt regelmäßig als Referent auf, um über Themen wie virtuelle Alarmanlagen, Penetrationstests und Soforthilfe im Ernstfall aufzuklären. „Wir müssen uns wappnen“, so seine Kernaussage.