„Pencilmania“ als älteste Schülergenossenschaft in NRW ausgezeichnet
Kreis Soest. Es hatte etwas von einem genossenschaftlichen Gipfeltreffen, was sich im Jakobisaal der Volksbank Hellweg vor den Augen von Schülern, Lehrern und Volksbank-Vertretern abspielte. Tristan Heermann, Landeskoordinator für Schülergenossenschaften in NRW, war aus Düsseldorf gekommen, um gemeinsam mit Bernd Wesselbaum, Volksbank-Vorstandsvorsitzender, zwei Schulen ins Rampenlicht zu stellen, die seit vielen Jahren ihre Schülerinnen und Schüler das genossenschaftliche Handeln im Alltag ausprobieren lassen. Und das in außergewöhnlich erfolgreicher Weise: Sowohl das in Hubertus Schwartz Berufskolleg (HSBK) in Trägerschaft des Kreises Soest als auch das Werler Ursulinengymnasium (UG) beherbergen unter ihrem Dach Schülergenossenschaften, die länger bestehen, als es das Projekt auf Landesebene überhaupt gibt. Viele Jahre länger sogar: Seit 15 Jahren bildet die „Pencilmania“ am HSBK beim Kauf und Verkauf von Büro-Verbrauchsmaterialien das wahre Wirtschaftsleben ab, und seit zwölf Jahren betreibt das UG den Kiosk „Tante Ursel“ als echten, kleinen Einzelhandelsbetrieb. So ergänzte der Landeskoordinator bei der Verleihung der im vergangenen Jahr aus Anlass des zehnjährigen Bestehens auf Landesebene gestifteten Ehrenplaketten die „10 Jahre“ um das Wort „mindestens“. „Sie haben schon lange vor dem offiziellen Start angefangen“, sagte Tristan Herrmann anerkennend. Man könne stolz darauf sein, dass „Pencilmania“ damit die mit Abstand am längsten aktive Schülergenossenschaft in ganz NRW sei. „Sie haben Pionierarbeit geleistet.“
Der Soester Volksbank-Vorstand hatte Jahre vor dem Start in NRW gehört, dass es in Niedersachsen Schülergenossenschaften gab, stellte damals Kontakt zum Hubertus Schwartz Berufskolleg her und „Pencilmania“ wurde gegründet. Daran erinnerte sich der damalige Schulleiter Thomas Busch, der das Projekt nach seiner Pensionierung weiter ehrenamtlich begleitet und jetzt bei der Ehrung dem aktuellen Leiter Hubertus Gosmann zur Seite stand – gemeinsam mit den Projekt-begleitenden Lehrkräften Sarah Hemmer und Carsten Brinkmann. Hubertus Gosmann zeigte sich überzeugt von der Zukunft seiner Schülergenossenschaft, auch weil sie gerade ihr Geschäftsfeld modernisiert – weg von Papier und Tinte hin zu Merchandising-Produkten wie etwa Wasserflaschen mit Schul-Logo, Produkten aus dem 3-D-Drucker oder beflockten T-Shirts. „Die Basis bleibt das Kaufmännische, wir erweitern das kreative Arbeitsfeld“, sagte Hubertus Gosmann. „Es tut gut, etwas mit den Händen zu machen“, ist er überzeugt von der Bedeutung dieser Aktivitäten für das schulische Lernen.
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Die Abbildung des wahren Wirtschaftslebens ist es, die für Schüler und Lehrer den hohen Reiz einer Schülergenossenschaft ausmachen. Das haben vor zwölf Jahren auch die Verantwortlichen am Ursulinengymnasium Werl erkannt, wie Schulleiter Konrad Beckmann bestätigte. Er war zur Entgegennahme der Auszeichnung mit John Ceiler als Aufsichtsrat, Enes Olgun als Vorstandsvorsitzender sowie Ulrike Wiggermann als betreuende Lehrerin gekommen. Volksbank-Vorstandsvorsitzender Bernd Wesselbaum sagte zu, dass man die Schülergenossenschaft auch in Zukunft intensiv unterstützen werde. Die wichtige Rolle der Partnergenossenschaften hatte der Landeskoordinator zuvor hervorgehoben. Ohne dieses engagiertes Zutun seien komplexe Dinge wie Kontoführung, Haftungsfragen oder die steuerliche Abwicklung nicht zu bewältigen. Er zeigte sich sehr zufrieden, dass dies im Kreis Soest so lange und so gut mit den beiden Schülergenossenschaften und der Volksbank Hellweg funktioniere.
Bernd Wesselbaum freute sich auch mit Blick auf diese Erfahrung, die bevorstehende Gründung einer nunmehr dritten Schülergenossenschaft anzukündigen. Dies soll am Börde-Berufskolleg in Soest passieren. Er begrüßte herzlich Schulleiterin Dr. Rita Brand, die mit ihren Kolleginnen Judith Bittner und Silke Lehn gekommen war, sowie Emely Braschko, Dilay Ökcü und Diana Gedion aus der Schülervertretung. „Bördchen“, so erfuhr Bernd Wesselbaum von der Schulleiterin, soll die neue Schülergenossenschaft heißen. Sie soll die seit etwa einem Jahr brach liegende Aufgabe des Kiosk-Verkaufs übernehmen. „Die Lernenden sollen das Wirtschaften lernen“, sagte Rita Brand. „Und mit dem Erlös wollen wir sicherstellen, dass zukünftig alle eine angemessene Abschlussfeier bekommen.“
Mit der geleisteten Unterschrift ist das Projekt „Bördchen“ nun aus der Taufe gehoben. Im nächsten Schritt findet mit Unterstützung der Volksbank ein Gründungsworkshop statt. Dann erfolgt eine genaue Prüfung aller Unterlagen und die Zeichnung der Anteile für die Mitglieder beginnt – alles, wie im wahren Genossenschaftsleben.
Welchen Wert das praxisnahe Erlernen genossenschaftlichen Handels von höchster Stelle beigemessen wird, macht die Tatsache deutlich, dass der Landeskoordinator nicht nur Repräsentant des Genossenschaftsverbandes ist, sondern gleichzeitig auch Mitarbeiter des NRW-Bildungsministeriums. Zudem hat NRW-Schulministerin Dorothee Feller die Schirmherrschaft übernommen. 80 Schülergenossenschaften gibt es landesweit inzwischen. „Der Erfolg liegt immer an den handelnden Personen“, sagte Tristan Herrmann auch mit Blick auf das Engagement der Volksbank Hellweg. „Wichtig ist es, die Schulen nicht allein zu lassen.“ Er vergaß nicht, den Wert für das Gemeinwohl zu formulieren: „Man lernt gemeinsam zuzuhören, zu diskutieren, Meinungen zu akzeptieren, zu verhandeln. Es geht dabei deshalb auch um Demokratiebewusstsein. Das Genossenschaftliche fußt auf dem Gleichheits- und dem Demokratieprinzip.“
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